von Manuel Stächele (TGM-J1), Verdun (12.06 – 14.06.26)
Am 12. Juni unternahm die gesamte Jahrgangsstufe 1 des Technischen Gymnasiums eine Exkursion in die KZ-Gedenkstätte Natzweiler-Struthof, in das einzige Konzentrationslager auf französischem Boden, dass wir den Hauch eines Eindrucks von der dort erlittenen Menschenverachtung bekämen. Einen maßgeblichen Einfluss auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs hatte eine von ihr oft überschattete Katastrophe: der Erste Weltkrieg.
Auf eine Initiative von Schülern der TGTM-J1 hin organisierten und planten sieben Schüler sowie ihr GGK-Lehrer Herr Bäurer-Urlaub eine Fahrt auf den Spuren des ersten industriell geführten Krieges, der tiefe Wunden in der Landschaft und in den Herzen der Menschen hinterließ.

Eindrücke aus Verdun.
Die Schlachtfeldathmosphäre bedrückt nach wie vor.
Bilder: private Aufnahmen
Am Morgen des 12. Junis fuhren wir acht zunächst an den Col du Linge, einer der Schauplätze des Stellungskriegs in den Vogesen. Im dortigen Museum wurde uns ein Film vorgeführt, der die Gefechte rund um den Höhenzug erschreckend eindrücklich darstellte.
Neben dem Museum sind die alten Schützengräben und Gefechtsstände der Deutschen erhalten, die die kaiserliche Armee in den Felsen sprengte. Der Gang durch die Gräben vermittelte noch einmal einen plastischen Eindruck vom Geschehen. Schilder und Tafeln wiesen beispielsweise darauf hin, von welchen Hängen die schwere Artillerie den Col du Linge zeichnete oder aus welcher Richtung die französischen Gebirgsjäger unter Einsatz ihres Lebens den Hang hinaufstürmten, nur um den deutschen Maschinengewehren zu erliegen. Warnhinweise, dass abseits der Wege noch immer scharfe Munition und Blindgänger drohten, riefen uns die Auswirkungen der Schlacht selbst nach mehr als einem Jahrhundert jäh in Erinnerung. Kreuze markierten Stellen, an welchen selbst so spät wie 2025 noch Gebeine gefallener französischer sowie deutscher Soldaten geborgen wurden.

Sinnbilder einer industrialisierten Kriegsführung.
Bilder: private Aufnahmen
Auf der Fahrt vom Col du Linge in Richtung des ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof reflektierten wir das Gesehene und erhielten von unserem Lehrer, Herrn Bäurer-Urlaub, eine gesamtgeschichtliche Einordnung. So kam beispielsweise die Frage auf, wie bereits eine Generation nach dem Ersten Weltkrieg bereits wieder eine solche Kriegsbegeisterung in Deutschland entfacht werden konnte, wo doch die Schrecken des Krieges hätten jedermann präsent sein sollen.
In Struthof angekommen, stießen wir zu unseren anderen Kommilitonen. Es wurde uns eine eindrückliche Führung durch die Gedenkstätte zuteil. Nach Ende der Führung trennten sich die Wege wieder. Als sich die Mehrheit wieder auf die Heimreise begab, nahm unsere Fahrt erst richtig ihren Anfang.
Am Abend kamen wir an unserer Unterkunft in Verdun an. Wir richteten uns ein und kochten gemeinsam, wofür wir unterwegs noch Zutaten besorgten.
Die Abende brachten wir mit wertvollen Gesprächen und Billiard zu.
Im Allgemeinen war die Stimmung trotz der Ernsthaftigkeit des Themas unserer Reise wahrlich gut, sodass wir einander als Menschen weiter kennenlernen, sowie eine schöne, wertvolle Zeit miteinander verbringen durften.

Schüler(er)leben bei der Fahrt nach Verdun
Bilder: privatEindrücke aus Verdun.
Die Schlachtfeldathmosphäre bedrückt nach wie vor.
Bilder: private Aufnahmen
Nach gemeinsamem Frühstück am Samstagmorgen, für welches einzukaufen manchem das Zusammenkratzen seiner letzten Französichkenntnisse abverlangte, besuchten wir das Mémorial de Verdun, ein modernes Museum.
Die Ausstellung beinhaltete viele Animationen, Bilder, Filme, auditive Inhalte sowie das nachgebaute Terrain der Schlacht, um die damalige Realität eindrücklich zu vermitteln. Das Museum war seinen Besuch allemal wert. Unweit des Museums befindet sich das Dorf Fleury-devant-Douaumont, welches vom Granathagel des deutschen Bombardements zu Beginn der Schlacht um Verdun dem Erdboden gleich gemacht wurde. Spaziert man durch die lediglich auf dem Papier ehrenhalber noch existente Gemeinde, so sind es einzig Gedenksteine, die Zeugnis darüber ablegen, dass an Stelle der Granatlöcher einst ein Bauernhof, eine Schmiede oder ein einfaches Wohnhaus stand.

Eine Kapelle, erbaut auf dem geweihten Boden der Dorfkirche, mahnt zum Frieden. Und dennoch hatte der Wuchs grüner Pflanzen und Bäume auf dem ehemaligen Schlachtfeld etwas Versöhnliches. Walderdbeeren gediehen dort, als wollten sie mit ihrer Süße den Passanten Trost spenden, den Franzosen und den Deutschen. In Sichtweite des Museums befindet sich das Beinhaus von Verdun, vor welchem 1984 Frankreichs Präsident Fançois Mitterand und Bundeskanzler Helmut Kohl sich in Freundschaft die Hände reichten und der Opfer beider Weltkriege gedachten. Dieses stand auch auf unserem Programm. Der Anblick von fünfzehntausend Kreuzen christlicher und Grabsteinen muslimischer Soldaten sagt mehr als jede Tabelle in einem
Geschichtsbuch.
Den Tag beschlossen wir mit einer Besichtigung des Fort Douaumont. Am Sonntag war bereits wieder der Tag der Heimreise. Wir frühstückten, packten unsere sieben Sachen und fuhren los. Das Ziel: der Tranchée de Chattoncourt. Es handelt sich hierbei um ein Freilichtmuseum in Form eines originalgetreu rekonstruierten Schützengrabens. Er ist mit zahlreichen Schaupuppen und Attrappen, sowie Fotografien ausgestattet. Kurze Erklärtexte bieten weitere Informationen und Einordnungen. Man kann den Graben jedoch auch einfach auf sich wirken lassen.
Schließlich trugen wir uns im Namen des TG in das hiesige Gästebuch ein.

Grammatikalisch nicht ganz einwandfrei, aber immerhin selbstverfasst und ernstgemeint.
Eintrag der TG-Klasse ins Gästebuch
Auf dem Weg in Richtung Lörrach besuchten wir unter anderem die Kirche „Notre-Dame-du-Haut“ in der Gemeinde Ronchamp bei Belfort, da dieses offizielle Weltkulturerbe auf dem Weg lag und allemal sehenswert ist.
So endete nun unsere Exkursion auf den Spuren des Ersten Weltkriegs und wir fuhren heimwärts. Wir Schüler sind dankbar, dass wir eine schöne gemeinsame Zeit erleben und vor allem solch wertvolle Eindrücke von der Geschichte mitnehmen durften. Gerade in einer Zeit, in der das dem Französischen entstammende Wort „Ignoranz“ in seiner vollen Doppeldeutigkeit mehr und mehr zur Geltung kommt – auf Französisch beschreibt das Wort „ignorance“ nämlich sowohl die selbst-, als auch die unverschuldete Unwissenheit – ist es von großer Wichtigkeit die Vergangenheit zu kennen, denn:
Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“ – George Santayana.
